Hochhäuser in Berlin – eine Stadt und ihre Höhenangst

Berlin gilt als flache Stadt – und das ist kein Zufall. Seit 1853 regelt die Berliner Baupolizeiordnung die Gebäudehöhen. Sie setzte die Traufhöhe auf 22 Meter fest – was in der Regel sechs bis sieben Geschosse ermöglicht. Diese Regelung prägt das Stadtbild bis heute: Die 22-Meter-Traufhöhe ist in weiten Teilen der Stadt einzuhalten, um das einheitliche Bild intakter Altbauquartiere nicht zu stören

Hochhäuser gab es trotzdem – aber selten und meist aus einem bestimmten Anlass. Der Großteil der Berliner Hochhäuser über 60 Meter Höhe entstand zwischen 1961 und 1989, also zwischen Mauerbau und Mauerfall. Beide Stadthälften nutzten das Hochhaus als städtebauliches Statement – im Osten ideologisch, im Westen als Zeichen westlicher Modernität.

Nach der Wende änderte sich das Bild erneut. Am Potsdamer Platz wurden renommierte Architekten wie Hans Kollhoff, Helmut Jahn und Renzo Piano beauftragt, dem Areal trotz strenger Bauvorgaben des Berliner Senats zu neuem Glanz zu verhelfen. Entstanden sind Hochhäuser, die bis heute zu den markantesten der Stadt gehören.

Erst seit 2020 gibt es ein verbindliches Hochhausleitbild – ab Januar 2026 gelten vereinfachte Regeln, die den Bau von Wohnhochhäusern erleichtern sollen. Handwerk und Bau Berlin wächst – langsam auch in die Höhe.

Als fotografisches Motiv erzählen Berliner Hochhäuser deshalb immer mehr als nur Architektur. Sie sind Zeitdokumente – jedes für sich ein Kapitel Stadtgeschichte.